Martina Kömpel, mehr denn je motiviert!

Martina Kömpel, mehr denn je motiviert!

Die Bande der Solidarität festigen.

 
Coronakrise: Gespräch mit Martina Kömpel, Inhaberin des Hotel-Restaurants Les Contes de Bruyères in Servières-le-Château in der Corrèze und Fernsehköchin im deutschen TV.

Martina Kömpel, als wir im November 2018 einen Artikel über Sie im Newsletter Les vergers Boiron veröffentlichten , hatten Sie bereits Ihr Restaurant und eröffneten gerade Ihr Hotel, das Les Contes de Bruyères in Servières-le-Château in der Corrèze. Sie waren im deutschen Fernsehen als TV-Köchin unterwegs und als Beraterin Les vergers Boiron tätig. Die Coronakrise hat Sie mit voller Wucht getroffen, denn alle Ihre Aktivitäten wurden gestoppt bzw. stark reduziert. Wie haben Sie diese Zeit überstanden?

 

Zuallererst, Selbstmitleid ist nicht mein Ding. Niemand war vor der Pandemie geschützt und vielen Menschen ging es weit schlechter als mir, in gesundheitlicher wie wirtschaftlicher Hinsicht. Wie gesagt, jeder hatte auf unterschiedliche Art an dieser Krise zu nagen. Die Schließung des Restaurants war natürlich ein harter Schlag, wirtschaftlich betrachtet, aber vor allem in kultureller, sozialer Hinsicht, denn das Restaurant ist ein wichtiger Ort in der Gemeinde, ein Treffpunkt, an dem man Geselligkeit pflegt. Sofort war mir klar, dass es weitergehen musste und dass praktische, humane Lösungen gefragt waren. Das erste was wir taten, war die Essensauslieferung nach Hause. In Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung boten wir diesen Service vorher bereits für ältere oder isoliert lebende Bürger an. Wir haben das Angebot kurzerhand auf die gesamte Region ausgeweitet und konnten so unsere Verbindung mit der lokalen Kundschaft aufrecht halten. Eine achtköpfige Familie aus Paris, die sich in der Nähe von Servières „ausgelagert“ hatte, bat uns, zweimal wöchentlich ein komplettes Dinner zu liefern. Für unsere Kasse war das natürlich toll, aber noch schöner waren diese Geste der Solidarität und der Beginn einer neuen Beziehung zwischen uns. 

 

Haben Sie weitere Beispiele dafür, wie sich Ihre Beziehungen geändert haben?

 

Na klar. Im Zentrum unseres Dorfes gibt es eine sehr schöne Frittenbude, die ein belgischer Kollege bewirtschaftet. Wir haben ihm Tagesgerichte geliefert, damit er seine Speisekarte während der Ausgangssperre erweitern konnte. Wir lernten uns besser kennen und ich habe entdeckt, dass er eine wahre Leidenschaft für die Küche hat. Künftig, wenn ich für ein paar Tage nach Deutschland muss wegen den Dreharbeiten für meine Kochsendung, wird er in der Küche meines Restaurants stehen, sein Handwerk anders ausleben und die Kontinuität für unsere Gäste sicherstellen.

 

Sie haben auch einen Auszubildenden. Was ist aus ihm geworden?

 

Er hat sein CAP (etwa Gesellenprüfung) während der Ausgangssperre gemacht, doch aufgrund der Auflagen kamen die praktischen Aspekte seiner Ausbildung zu kurz. Ich befürchte, dass die CAP- und BTS-Abschlüsse von 2020 weniger wert sind. Wir behalten ihn deshalb noch ein Jahr als Lehrling, damit er seine Ausbildung unter realen Bedingungen vervollständigen kann.

 

Und die Zukunft?

 

Wir nehmen unsere Arbeit allmählich wieder auf. Derzeit öffnen wir wieder das Restaurant. Für diesen Sommer haben wir viele Buchungen für unsere sechs Hotelzimmer, und die Dreharbeiten für das ARD Büffet laufen am 7. Juli wieder an. Trotz aller Probleme waren diese Monate eine Gelegenheit zum Nachzudenken, sich in Frage zu stellen, neue engere zwischenmenschliche Beziehungen zu knüpfen und sich noch tiefer in unsere Gemeinschaft zu integrieren. Wir haben gelernt, dass Solidarität wichtiger ist als der Konsum. Wir gehen stärker und menschlicher aus der Krise hervor.

 

 

 

Juli 2020