Freddy Diaz: Eine Zeit zum Überlegen und zum Wachsen

Freddy Diaz: Eine Zeit zum Überlegen und zum Wachsen

Leben im Hier und Jetzt.

 

Coronakrise: Interview mit Freddy Diaz, Mixologe, Präsident von AlambiQ Inc., Consultingbüro in Miami. Freddy schult seit 25 Jahren Gastronomen aus Amerika und der Karibik.
Freddy, wir haben 2018 zum ersten Mal ein Gespräch geführt anlässlich eines Artikels über deine Karriere als internationaler Berater. Ich kann mir vorstellen, dass die Corona-Pandemie deine Aktivität voll getroffen hat. Wie hast du diese Zeit auf beruflicher wie persönlicher Ebene gemeistert?  
 

Zu allererst, ich bin jeden Tag froh, bei guter Gesundheit zu sein und mein Leben voll leben zu können, ungeachtet des Kontextes, selbst wenn die Dinge nun anders liegen. Persönlich war diese Zeit eine Zeit der Überlegung, eine Gelegenheit, zu wachsen, alles neu zu betrachten und zu durchdenken. Die Meditation ist seit langem ein wichtiger Teil in meinem Leben und sie hat mir in dieser Zeit sehr geholfen, um mein tiefes Inneres und den Sinn meiner Initiativen zu erforschen. Ich bin sehr froh, dass ich in Kontakt bleiben konnte mit meinen Kollegen, Barmen und Barmaids, die ich heute als meine erweiterte Familie ansehe. Auch bin ich darüber froh, dass ich die „Food & Beverage“ Community unterstützen und wann immer möglich meinen Beitrag dazu leisten kann.  Viele von uns wurden aktiv, um zugunsten von Menschen in Not Spenden zu sammeln, oder unter Verwendung des Budgets unserer Liquor Clients warme Gerichte und Cocktail-Kits zu bereiten. Das war eine großartige Erfahrung, und wir konnten bedürftigen Menschen helfen.
Auf beruflicher Ebene verschieben wir alles rund um die Schulung auf digitale Plattformen. Anfangs war das zwar etwas kompliziert, aber meine Kollegen und ich konnten dadurch eine neue Art der Kommunikation und des Austauschs ausprobieren. Es ist sehr wichtig, die Schulung weiterhin über Zoom und andere Social-Media-Plattformen anzubieten. So blieben wir aktiv und haben die Möglichkeit, weiter zu lernen und zu teilen, und das sind für mich zwei Schlüsselwerte.  

 

Wie waren die Auswirkungen auf deine Aktivitäten und Geschäfte?

 

Ja, wie ich sagte, wir wurden definitiv hart von der Corona-Pandemie getroffen. Meine Reisemöglichkeiten waren gleich Null und die Veranstaltung von face-to-face Events mit vielen unserer Kunden praktisch unmöglich, vor allem jene, mit denen wir in Partnerschaft mit Les vergers Boiron in Amerika und in der Karibik arbeiten. 

 

Welche Optionen kommen in dieser Übergangsphase für dich in Betracht? 

 

Ich denke viel nach über alternative Arbeitsweisen, aber im Moment genieße ich jeden Tag, manchmal jede Stunde am Tag, weil die Dinge sich ständig verändern. Es ist eine Zeit für eine ruhige Agilität, ohne Hast und Eile. Ich versuche, im Hier und Jetzt zu leben und in Ruhe eingehend an die Zukunft zu denken. 

 

Welche Auswirkung hat dies alles auf deine professionelle oder persönliche Philosophie?

 

Ich denke viel nach über die Rückschläge und Enttäuschungen, die im Leben unvermeidbar sind und es lag in der Luft, dass irgendetwas unser Leben destabilisieren würde. Diese Dinge sind zyklisch. Ich habe die Rezession von 2008 miterlebt und viel daraus gelernt, als viele Unternehmen darunter litten. Also habe ich mich auf diese Krise etwas vorbereitet, aber es war ein „unsichtbarer Feind“ und der Schock, der mich traf, wie alle anderen auch, war enorm und mit nichts aus der Vergangenheit vergleichbar.   

 

Wie siehst du die Zukunft und welche wichtigen Veränderung stehen an? 

 

Ich bin keiner, der große Erwartungen hat oder vorgibt, die Zukunft vorhersagen zu können. Einfach weil, wenn du zu viel erwartest und es nicht nach Plan läuft, dein Glücksgefühl angeknackst wird und du den Mut verlieren kannst. Ja, wir alle suchen das Glück und hoffen auf Besserung. Aber in diesem Fall denke ich, dass es viel wichtiger ist „das Beste zu hoffen und sich auf das Schlimmste vorzubereiten“. 

 

Hast du andere Gedanken oder Kommentare, die du teilen möchtest? 

 

Von meiner Seite bin ich glücklich, dass ich einigen meiner Kunden in Miami mit Les vergers Boiron Fruchtpüree, das ich in meinen Gefrierschränken hatte, aushelfen konnte.  Viele Bars gaben „Cocktails to go“ aus und/oder richteten einen Abholservice ein, um im Geschäft zu bleiben. Ich tat was ich konnte, um sie zu unterstützen und lieferte die Les vergers Boiron Fruchtpürees für die Cocktails.  Ich habe auch Geldmittel genutzt, die mir zur Verfügung standen, um unsere Subunternehmen zu bezahlen, die keine Arbeit mehr hatten. Es hat mir Freude bereitet, anderen zu helfen, und wir müssen diesen Solidaritätsinn weiter pflegen. 

 

 

 

 

Juli 2020